WM 2014 Proteste in Brasilien – Happening an der Copacabana

Antonio Carlos Rio de JaneiroAn gestrigen Samstag zeigte der Brasilianer Antonio Carlos mit seinem “Fußball-Happening” an der Copacabana in Rio de Janeiro, wie man friedlich und kreativ gegen die krassen Zustände im Land aufmerksam machen kann. Er brachte seine Zuschauer symbolisch dazu, der Regierung einmal so richtig und mit großer Freude in den Hintern zu treten.

WIR BRAUCHEN SCHULEN, KRANKENHÄUSER UND SICHERHEIT NACH “FIFA-STANDARD”.

Die Brasilianer lieben Ihren Fußball und sind natürlich nicht gegen das Sportereignis an sich, sondern gegen die irrsinnigen Ausgaben, die die Vorbereitungen für die Fußball-WM 2014 und die Olympischen Sommerspiele 2016 in Rio verschlingen. Das Volk schaut nicht mehr regungslos zu, wie Milliarden in Sport-Events gepumpt werden, während sich Bildungs- und Gesundheitssystem, Infrastruktur und die öffentliche Sicherheit immer noch auf dem Niveau eines Entwicklungslandes befinden.

Interaktives 360° Panorama, Fotos & Videos vom Happening an der Copacabana

PROTESTE IN BRASILIEN NEHMEN HISTORISCHE AUSMAßE AN

Seit Tagen wird Brasiliens Bild nun schon von Massenprotesten geprägt, die an die Zustände aus dem Jahr 1992 erinnern, als der damalige Präsident Fernando Collor de Mello wegen Korruptionsvorwürfen aus dem Amt enthoben werden sollte.
Die Fernsehbilder der letzten Tage zeigten vor allem die chaotischen Zustände in den Großstädten Brasiliens, wo Massenkrawalle und Plünderungen das Bild beherrschten. Dass die große Mehrheit (die junge brasilianische Mittelschicht) aber friedlich demonstrieren wollte, ging dabei etwas unter. Am vergangenen Donnerstag gingen ca. zwei Millionen Menschen in 438 Städten für ein besseres Brasilien auf die Straße. Auslöser waren die Fahrpreiserhöhungen von R$ 2,75 auf R$ 2,95 (in Rio), die das Fass zum überlaufen gebracht haben. Denn während Milliarden für die Fußball WM und Olympia 2016 in Rio locker gemacht werden, schaut der größte Teil des Volkes nur zu ohne davon zu profitieren.

Laut Umfragen sind 85% der Demonstranten parteilos und 71% nehmen zum ersten Mal an einer Demonstration teil. Hierbei handelt es sich um junge Menschen zwischen 26 und 35 Jahren, die sich über das soziale Netzwerk FACEBOOK organisiert haben. Ohne Internet hätten die Proteste wahrscheinlich nicht so schnell um sich gegriffen, da 85% aller Protest-Teilnehmer ihre Information aus dem Netz haben.

Dilma Rousseff, Brasiliens Präsidentin hat bereits angekündigt auf die Missstände mit einem “großen Pakt” einzugehen. Es sollen Mängel im öffentlichen Dienstleistungssektor beseitigt werden und das Bildungs- und Gesundheitssystem soll mehr Geld und Fachkräfte bekommen. Nachdem die Fahrpreiserhöhungen extrem schnell zurückgenommen wurden, wurde klar, dass das Volk tatsächlich aufgewacht ist und schnell gehandelt werden muss, um weitere Proteste und Imageverluste für Brasilien zu vermeiden.

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Über Holger Jung-Gercke

Der Dipl. Designer (FH) Holger Jung-Gercke ist ausgebildeter Druck- und Medientechniker hat Kommunikationsdesign in Düsseldorf studiert. Er lebt seit 2004 in der Metropole Rio de Janeiro, die als das Zentrum der Modegestalter, Mediengestalter und Architekten in Brasilien gilt. Seine Firma INLINEAR, 1995 in Deutschland gegründet, umfasst die Schwerpunkte Online-Marketing (Optimierung von Webseiten, SEO SEM) und UX-UI & Design-Dienstleistungen. Besondere Erfahrung hat INLINEAR auch in der Entwicklung und Gestaltung von interaktiven Onlineanwendungen und virtuelle Touren. Als EMBRATUR Tour Guide für Rio de Janeiro ist er Anlaufstelle für Insider-Tipps und mediale Insider-Touren.

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