UX-Design & Lean UX – User Experience Theorie- & Praxis-Guide

Was ist UX und warum ist LEAN-UX heute die effektivste Entwicklungsmethode für digitale Produkte? Lesen Sie hier, was Sie für den ausführlichen Start in das Top-Marketing-Thema wissen müssen: Fakten und zahlreiche Top-Links zum Vertiefen in die Thematik.
(letztes Update 03.03.2014)

Inhaltsübersicht
WAS IST USER EXPERIENCE?
DIE POSITIVE USER EXPERIENCE AUF ALLEN KANÄLEN ERREICHEN
- Digital Marketing-Kanäle & Konversionen
- Beispiel Telefonkontakt
- Beispiel Ecommerce
SENSATIONELLES UX-DESIGN – APPLE MACHT ES VOR
Die Einfachheit der Bedienung ist das oberste Gebot der User Experience
- iOS7 Flat Design
- UX und Usablity – Was ist der Unterschied?
WARUM DREHT SICH ALLES UM DIE UX?
STUDIE SCHOCKT DIE MARKETING-WELT: 73% ALLER MARKEN SIND UNBEDEUTEND!
LEAN-UX DIE EVOLUTION DES PRODUKTDESIGN
- Die Evolution von SLDC > Wasserfall > AGILE-UX > LEAN-UX
LEAN-UX IN DER PRAXIS
SCHLUSSWORT VON STEVE JOBS
UX-LITERATUR EMPFEHLUNGEN
TOOLS FÜR LEAN UX DESIGN
WEB-LINKS ZUM THEMA USER EXPERIENCE

WAS IST USER EXPERIENCE?

User Experience abgekürzt UX heisst aus dem Englischen übersetzt: Nutzererfahrung. Die Nutzererfahrung (UX) ist die Gesamtheit aller sinnlichen und emotionalen Eindrücke, die ein Nutzer bzw. Kunde beim Gebrauch von Produkten oder Dienstleistungen in seiner Umgebung als positives oder negatives Erlebnis wahrnimmt und im Gehirn als Erinnerung haften bleiben.

DIE POSITIVE USER EXPERIENCE AUF ALLEN KANÄLEN ERREICHEN

Ziel des UX-Design ist die absolute Zufriedenheit des Users, der ein Produkt oder eine Dienstleistung nutzt. Eine positive User Exerience erzeugt positive Eindrücke über alle Sinne und das Gefühl einen echten Nutzwert erhalten zu haben u.a. durch:

  • ein gutes Gefühl erzeugt durch Freude
  • Waouuu-Erlebnis durch positive Überraschungen erzeugt Glücksgefühle
  • dem User zuhören und ihn ernst nehmen
  • schnelle Orientierung (auf Website, App)
  • intuitive & einfache Bedienung
  • ansprechendes, ästhetisches Design
  • Gefühl, die Anwendung erleichtert das Leben und unterstützt den User
  • hoher Nutzwert = Steigerung der Lebensqualität
  • Vertrauen und Sicherheit
  • “Glück”, das man mit Freunden teilen möchte – man wird zum Fan
  • guten Geschmack
  • guten Klang

Am erfolgreichsten ist die positive UX, wenn sie medienübergreifend (auf allen Kanälen) und ganzheitlich in der Produkt- bzw. Dienstleistungswelt des Unternehmens erlebbar ist und damit das Markenbewusstsein festigt. Das Ergebnis soll zur Kundenbindung und darüberhinaus zu begeisterten Fans führen. Fazit: Kunde happy = Unternehmen auch happy

Digital Marketing-Kanäle & Konversionen

The History of Marketing Channels

Interessante Grafik über die Geschichte der Marketing-Kanäle im Allgemeinen. [Quelle: http://www.wikipedia.org]

Genau wie das Corporate Design eines Unternehmens auf sämtlichen Kommunikationsmedien  korrekt angewendet werden muss, um eine klare Identität mit hohem Wiedererkennungswert zu schaffen, soll auch die User Experience auf sämtlichen Kanälen ganzheitlich funktionieren bzw. die Zielgruppe ansprechen.

Digital Marketing-Kanäle werden genutzt, um Produkte zu bewerben und um Marken- und Produktbotschaften zu verbreiten. Ziel im Online-Marketing ist es Kanäle zu bewerben, die möglichst viele “engagierte Besucher” auf die Unternehmens-Website bringen, wo sie mit den Inhalten der Website interagieren (bzw. reagieren) sollen (Engagement). Die Interaktionspunkte auf der Website sollen zur Stärkung des Markenbewusstseins und zu Kaufentscheidungen zu führen. Aus Besuchern sollen Kunden werden. Man spricht bei diesem Statuswechsel (Besucher wird Kunde) auch davon, dass “der Besucher konvertiert”. Daher ist auch die Abkürzung “CRO” in aller Munde, wenn es um die Optimierung von Web-Inhalten geht. Das Zauberwort Suchmaschinen-Optimierung (SEO) wurde nun durch CRO etwas verdrängt. CRO steht für “Conversion-Rate-Optimierung“, wobei eine “Conversion” für eine vom User ausgeführte Aktion steht, die ein Konversions-Ziel erfüllt (z.B. Produktbestellung). Der prozentuale Anteil aller Besucher, der diese Aktion ausgeführt hat beschreibt dann die Konversions-Rate. Und Konversionserfolge erzielt man mit konsequenter Webanalyse und gutem User-Experience-Design, damit User durch Freude und Zufriedenheit gewollte Aktionen ausführen.

In der Praxis informieren sich Besucher zunächst auf einer Website über Produkte und Dienstleistungen und sollen dabei zahlreiche “Call to Actions“, also Aktionen ausführen wie z.B. das Anfordern eines Newsletters, das Klicken auf den Folgen-Button auf Facebook, Twitter etc. oder eine Produktanfrage über ein Formular stellen.
Im besten Fall soll der Besucher eine Bestellung aufgeben, was man als “Macro Conversion” bezeichnet. Als “Micro-Conversions” bezeichnet man die kleinen Konversions-Ziele wie z.B. das Klicken auf ihre Adword-Anzeige bei Google, das Klicken auf Buttons auf Ihrer Website, die dem Besucher seine Fragen und Zweifel beantworten. D.h. Aktionen, die in diesem Moment zwar noch keine Produktbestellung bedeuten aber auf das “Makro-Ziel” hin arbeiten. Gefällt dem Besucher Ihre Website und hat er Vertrauen aufgebaut, so wird er sicherlich auch gerne auf den Button zum Bestellen Ihres Newsletters drücken, da er nun neugierig auf Neuigkeiten zu Ihren Produkten geworden ist. All diese Mikro-Konversions-Ziele auf der Reise des potentiellen Kunden von einer zur nächsten Website [engl.:Customer (Decision) Journey], führt in kleinen Schritten immer näher zum großen Schritt der angestrebten Makro-Konversion, also der Entscheidung des Besuchers Produkte zu kaufen.

Die User Experience wird während der Interaktion geprägt. Doch welche Aktionen, welches Nutzerverhalten muss ich genau analysieren?
Grundsätzlich verfolgt jedes Webangebot sein individuelles Ziel, d.h. es wird auf bestimmte Indikatoren bei der Webanalyse Wert gelegt (KPI’s – Key Performance Indicators). Für jeden der 5 typischen Bereiche (Content Publishing, Branding, Lead Generation, Support und Ecommerce) mit unterschiedlichen KPI’s stellt das UX-Design unterschiedliche Anforderungen.

Aber auch klassische Kanäle über die Kunden mit Unternehmen in Kontakt treten wirken sich stark auf die User Experience aus:

Beispiel persönlicher Telefonkontakt
Gerade kleine Unternehmen achten oft nicht auf Details, die zu einer guten User Experience beitragen. Sie rufen z.B. bei der Firma X an, es klingelt fünf mal, bis sich eine genervte Stimme meldet und den Firmennamen so schnell ausspricht, dass sie erstmal nachfragen müssen, ob sie überhaupt die richtige Nr. gewählt haben. Kundenfreundlich begrüßt wurden Sie in diesem Beispiel auch nicht. Das sind schon 3 kleine Negativ-Erfahrungen, die dem Unternehmensgesamtbild schaden. Der Kunde erwartet König zu sein und möchte auch dementsprechend behandelt werden.

Beispiel Ecommerce
Wenn Sie ein Produkt in einem Online-Shop kaufen möchten, wollen Sie schnell und intuitiv zum Ziel gelangen und das Produkt am besten gleich morgen geliefert bekommen. Bei diesem Prozess kann schon soviel schief gehen, so dass die Geduld des Kunden auf die Zerreißprobe gestellt wird. Weil heutzutage etliche unterschiedliche Endgeräte und Systeme von Online-Shops bedient werden müssen, sind die Anforderung besonders hoch. Extremen Nachholbedarf in Sachen UX gibt es im Ecommerce, weil die wenigsten Anbieter ihre Online-Stores für Tablets (und mobile User) optimiert haben. Aber es sind gerade die Tablets mit denen am meisten im Internet eingekauft wird. Die User Experience ist i.d.R. ungenügend, da die Inhalte, die für Desktop-Auflösungen konzipiert wurden und auf Tablets zu klein dargestellt werden. Wenn der Text gerade noch lesbar ist, scheitert das positive Online-Erlebnis spätestens bei zu kleinen Schaltflächen, die man nicht trifft und sich verklickt. Responsive Design schafft hier Abhilfe.

SENSATIONELLES UX-DESIGN – APPLE MACHT ES VOR

Auch andere Unternehmen wie Google sind Meister der User-Experience mit ihren Anwendungen und Innovationen, gerade hier ist Apple ein sehr schönes Beispiel:

Apple verfügt über ein gigantisches Produkt- und Dienstleistungssortiment und schafft es die Erwartungen seiner Kunden immer wieder aufs Neue mit Innovationen zu übertreffen. Die intuitive Bedienbarkeit von Soft- und Hardware, der hohe Nutzwert, das ästhetische Design und die Verarbeitung der Geräte sind einzigartig. Selbst die Verpackungen sind zum Wegschmeißen zu schade. Hier überlässt Apple die User Experience nirgends dem Zufall.

Weder Apple noch Microsoft sind die Erfinder der Multitouch-Technologie, doch hat erst Apple mit Steve Jobs dieser Technologie zum Durchbruch verholfen, weil Bedienbarkeit und geschaffener Nutzwert revolutionär waren.
2007 kam das erste iPhone und 2010 das erste iPad auf den Markt. Diese mobilen Endgeräte haben seitdem das Nutzerverhalten und damit den Markt entscheidend verändert und somit den digitalen Wandel vorangetrieben.
Mich würde es nicht wundern, wenn Laptops mit “Mausbedienung” bald komplett der Vergangenheit angehören.
Ein interessantes UX-Beispiel: Seit Apple’s Betriebssystem Mac OsX Lion scrollt z.B. das Mausrad die Bildschirminhalte plötzlich “falschherum“. Aber warum macht Apple sowas, obwohl die Menschheit die andere Scrollrichtung seit Jahrzehnten verinnerlicht hat? Ganz einfach, weil es nicht intuitiv und unnatürlich ist!
Aber das ist nur ein Teil der Durchsetzung des NUI (Natural User Interface). Mit der natürlichen Benutzeroberfläche wird die intuitive unmittelbare Bedienung nach natürlichen Handlungsmustern beabsichtigt. Denn der Nutzer soll schließlich konsumieren und nicht über Bedienungsprobleme stolpern. Auf dem Tablet kann man z.B. unmittelbar mit dem Finger den Inhalt durch die Wisch-Geste nach oben oder unten scrollen. Dann sollte das, solange es noch Mäuse gibt auch da “einfach natürlich” und logisch funktionieren. Kleine Kinder, fast Säuglinge kommen schon verblüffend gut mit Tablets klar, weil sie ganz natürlich an diese Geräte herangehen und ohne Lernerfahrungen machen zu müssen sofortige Erfolge bei der mühelosen Bedienung erzielen.

Die Einfachheit der Bedienung ist das oberste Gebot der User Experience.

Vollkommenheit entsteht offensichtlich nicht dann, wenn man nichts mehr hinzuzufügen hat, sondern wenn man nichts mehr wegnehmen kann.

Das Zitat stammt von Antoine de Saint-Exupéry, aus dem Jahre 1939, lange bevor Menschen anfingen sich Gedanken über grafische Benutzeroberflächen (GUI, Graphical User Inerfaces) zu machen, die eine Interaktion zwischen Mensch und elektronischen Geräten ermöglichen.

Smartphones verlangen durch ihre komplexe Funktionalität und der Möglichkeit unzählige Apps zu speichern ein ausgefeiltes UI & UX-Design. Neben der Bedienung mit zahlreichen Gesten, Spracheingaben und dem Abscannen optischer Informationen beeinflusst mittlerweile selbst der geografische Standort* des Benutzers die User Experience. *(Durch die Kenntnis des Benutzerstandorts, liefern Anwendungen relevantere Ergebnisse, die dem Benutzer das Leben erleichtern sollen.)

Um hier den Überblick zu behalten und alles einfach bedienen zu können, hat der reizüberflutete Mensch absolut keinen Nerv auch noch Zeit mit Bedienungsanleitungen zu verlieren. Daher sehnen sich alle nach Einfachheit.

iOS7 Flat Design

iOs7-designDas System-Update von Apple’s iOS7 folgt optisch radikal dem Spruch von Antoine de Saint-Exupery und stellt eine weitere Evolution des User-Interface-Designs des iPhone dar.
Auf den ersten Blick sticht das Flat-Design der App-Icons ins Auge. Hier wird auf Spiegelungs- und sonstige 3D-Effekte verzichtet, die vom Wesentlichen ablenken könnten und die schnelle Orientierung stören. Dialogboxen erscheinen plötzlich ganz “nackt”.
Auf den zweiten Blick spürt der iPhone-User beim Erkunden der neuen Funktionen aber wieder das gewohnte Lächeln auf den Lippen. Vieles ist wieder einmal einfacher und raffinierter geworden. Die Mission User-Experience war erfolgreich!

 

 

 

UX und Usablity – Was ist der Unterschied?
Die Benutzerfreundlichkeit (Usability = Ease of Use) ist ein wichtiger Teil der UX, führt aber nicht zwangsläufig auch zu einer guten Anwendungserfahrung. Wichtiger Bestandteil der User Experience ist auch der Spaß beim Gebrauch (Joy of Use) eines Produktes oder einer Dienstleistung. Wenn damit auch noch ein hoher Nutzwert verbunden ist hat man die positive User Experience.

WARUM DREHT SICH ALLES UM DIE UX?

Besser gesagt:“Es dreht sich heute alles um den User”. Der Benutzer und seine Bedürfnisse stehen im Mittelpunkt. Diese genau zu kennen ermöglicht es Produkte zu schaffen, die den User begeistern.
Das Internet hat dem Verbraucher das Tor zu schier unendlicher Information geöffnet – (fast) alles lässt sich heute “googeln” und bevor man ein Produkt kauft, informiert man sich:  Z.B.: Was sagen andere über das Produkt, gibt es Testberichte und bessere Alternativen?
D.h. die User Experience ist heute der entscheidende Faktor für den Unternehmenserfolg. Social Media stellt alles, was die Menschen bewegt ins Rampenlicht. Heutzutage ist es “out” dem Mainstream zu folgen oder in traditionelle Rollen zu schlüpfen. Sonderlinge von gestern sind plötzlich angesehene Individualisten geworden und die Vielfalt, die man heute konsumieren kann, weckt den Wunsch nach dem eigenen Lebensstil. Es entstehen neue Nischen und der aufgeklärte Kunde von heute will mitreden und Produkte mit- oder gar selbst gestalten können. Hab ich gerade aufgeklärter “Kunde” gesagt? Entschuldigung: Kundin!, denn die Online-Welt wird zunehmend weiblicher, weil es doch Frauen sind, die heute bei Konsumentscheidungen i.d.R. die Hosen an haben und entscheiden, welche Sitzgarnitur ins Haus kommt. –  Kleiner Beweis: Ich habe einmal nach Produkten gegoogelt, bei denen “man” Einfluss auf die Gestaltung des Produkts nehmen kann. Verdächtig war, dass auf Suchergebnis #1 ein Link der Frauenzeitschrift FÜR SIE zu finden war: PRODUKTE ONLINE SELBST GESTALTEN. Das zeigt, wieviel Einfluss Frauen mittlerweile schon ausüben. Nur ein Produkt habe ich bei dem Link vermisst: Die M&M’s auf die ich mein Foto drucken lassen kann :).

Fazit: Bedeutende Marken (Meaningful Brands) von heute haben aufgehört Features zu produzieren und hören erstmal genau hin, was der Kunde wünscht. Ist die Anwendererfahrung von Produkten schlecht, dann spricht sich das heute rasend schnell herum. Daher nutzt man heute im UX-Design das schnelle Feedback seiner Kunden schon in frühesten Stadien der Produktentwicklung für den Produkterfolg.

STUDIE SCHOCKT DIE MARKETING-WELT: 73% ALLER MARKEN SIND UNBEDEUTEND!

Laut einer Studie der Havas Media Group würde es die Menschheit nicht weiter stören, wenn von heute auf morgen 73% aller Marken verschwinden würden! Das Marken-Vertrauen hat Studien zu Folge in den letzten 30 Jahren stark abgenommen und Fakt ist auch, dass Marken i.d.R. nicht das liefern, was wir [die (potentiellen) Kunden] wollen: Produkte müssen Smarter, Fitter, Closer, Wiser, Tougher sein! Höher – schneller – breiter war gestern.
Video
Umar Haque – Ökonom, Autor und Havas Media Labs Direktor erklärt im folgenden Video mehr über die interessante Studie “MEANINGFUL BRANDS 2013“:

LEAN-UX DIE EVOLUTION DES PRODUKTDESIGN

“Lean UX ist die Evolution des Produktdesign. Es vereint die besten Interaktions-Designtechniken mit der wissenschaftlichen Methode, um großartige Produkte zu schaffen, die einfach zu bedienen und messbar erfolgreich sind. Die Herangehensweise der Vermischung der Ideen, die hinter Lean Startup, Agiler Softwareentwicklung und Design-Thinking stecken, befreit das Produktdesign von seinem Exzess und seiner Unsicherheit und bringt es zu einem objektiven Ergebnis.”

[Quelle: Übersetzt aus dem Buch “LEAN UX: Applying Lean Principles to Improve User Experience” Jeff Gothelf & Josh Seiden]

Die Methoden des LEAN-UX Produkt-Design haben Ihren Ursprung in der Software-entwicklung. Der Usability-Experte Jared Spool erklärt sehr anschaulich die Evolutionsgeschichte der Methoden, die zur heutigen LEAN-UX führten . (sehr gute Übersetzung des Originalartikels ins Deutsche bei Seibert Media)

Die Evolution von SLDC > Wasserfall > AGILE-UX > LEAN-UX
Als in den 60’er und 70’er Jahren Computer anfingen die Welt zu erobern, waren es die Entwickler, die zu 100% die Funktionsweise und das Design der Software vorgaben. Da der Endkunde bisher keine “User Experience” mit Computer-Softwareprodukten machen konnte, hatte er auch keinen Anlass ein Konkurrenzprodukt zu bevorzugen. Daher dachte man damals bei der Entwicklung nicht daran, den Endkunden mit in den Entwicklungsprozess einzubeziehen.

Vielmehr galt es Managementmethoden zu entwickeln, die es ermöglichten große Softwareprojekte kosten-effektiv zu bewältigen.

Nach der Methode des Software Development Life Cycle (SDLC) wurde der Entwicklungsprozess in Phasen abgearbeitet. Dies brachte Ordnung in die Entwicklung, doch die Bedürfnisse des Endnutzers wurden dabei nicht berücksichtigt. Software-Updates gab es damals erst Jahre später.

Das Wasserfall-Prinzip übernahm die Phasen der SDLC-Methode und ergänzte sie lediglich durch Anfangsdefinitionen, die zwar immer noch nicht direkt von Endkunden kamen, aber zumindest von Branchenexperten, die die Anforderungen des Endkunden wesentlich genauer kannten, als IT-Entwickler.

wasserfall-prinzip

erweitertes Wasserfallmodell mit Rücksprungmöglichkeit

Der Name “Wasserfall” kommt von der Darstellungsweise der Phasen als Kaskade. Das Wasserfallmodell verfolgt eine starre lineare Vorgehensweise, was sich aber später als Nachteil herausstellte.
Jede Phase hat klar definierte Start- und Endpunkte, die ein ebenso vordefiniertes Ergebnis zu liefern hatten. Das Projekt wurde sehr statisch spezifiziert und dokumentiert, wobei streng nach Lastenheft (Anforderungskatalog vom Kunden) und Pflichtenheft (vom Auftragnehmer erarbeitete Realisierungbeschreibung aller Kundenanforderungen) gearbeitet wurde.

Das erweiterte Wasserfallmodell mit Rücksprungmöglichkeiten führte iterative Aspekte ein, also die Überarbeitungsmöglichkeit der vorangegangenen Phase, um Fehler zu beheben, die sich auf die aktuelle Phase auswirken. Doch auch wenn Usalbility-Aspekte in den einzelnen Phasen berücksichtigt wurden, führte das immer noch nicht zu einer befriedigenden Integration des UX-Bereichs in den Entwicklungsprozess.

Die Praxis der Wasserfall-UX sah vor, dass die UX-Ideen sehr akribisch dokumentiert werden mussten, damit Entwickler sie so genau wie möglich umsetzen konnten. Die Schnittstellen zwischen UX- und Entwicklerteam wurden demnach durch komplizierte Dokumentationen und Verträge geprägt.

Passen agile Methoden und UX zusammen?
Das Ziel bestand allerdings darin agile Prinzipien mit häufigen Iteration im Entwicklungsprozess mit UX-Ideen gleichermaßen iterativ zu praktizieren. Ergebnis war allerdings nur ein pseudo-agiler Prozess, indem man häufiger Design-Phasen eingeschoben hat.
Agile Prinzipien basieren stark auf Kommunikation und das damalige UX-Verständnis basierte eher auf der Übergabe von Design-Dokumentationen, was nicht harmonierte.
Die agile Welt legt das Endergebnis nicht zu Beginn fest! Agile Methoden leben von Feedback-Schleifen und Experimenten, um sich durch schnelle Iterationen dem optimalen Ergebnis zu nähern. Das UX-Team legte allerdings nach dem Wasserfallprinzip die Projektziele fest ohne dynamische Anpassungen zuzulassen.

LEAN-UX IN DER PRAXIS

LEAN-UX Methoden entstanden demnach aus dem Weglassen der Komponenten, die den agilen Entwicklungsprozess eines Projektes stören und eine schnelle Auslieferung von Produkten verhindern. Vor allem gehört dazu die Vorstellung, dass sich Projektziele nicht ändern und eine einzige Design-Lösung für das Projekt ausreicht. Weiterhin wird auf das Abliefern extensiver Dokumentationen des UX-Teams verzichtet, das mit der Übergabe der Instruktionen an die Entwickler seine Arbeit beendet sah. Das LEAN-UX Verständnis basiert aber auf auf der kontinuierlichen Zusammenarbeit aller beteiligten Teams, inklusive Produkt-Management, Design, Programmierung, Marketing etc. Durch die regelmäßige Kommunikation von Beginn an sollen alle Beteiligten der Teams den gleichen Wissensstand des Projekts aufrechterhalten. Es werden schlanke Prototypen schon in der ersten Phase des Projekts mit Endbenutzern validiert, um den Zeitaufwand für das Verfolgen falscher Hypothesen zu minimieren.

Die Praxis wird entscheidend durch Prinzipien geprägt wie:

  • DESIGN THINKING: interdisziplinäre Teams arbeiten gemeinsam am Projektziel und entwickeln unter kontinuierlicher Überprüfung der Ergebnisse
  • GEMEINSAMES VERSTÄNDNIS in allen Teams stärkt die Kamaradschaft und führt zu schnelleren Iterationen, wenn jedes Team den gleichen aktuellen Kenntnisstand hat und weiss, was es tut und warum. Das jeweilige Team muss nicht Briefings aus zweiter Hand oder Dokumentationen interpretieren, um weiterarbeiten zu können
  • LEAN STARTUP Methode von Eric Ries der Feedback-Schleifen: erstellen-messen-lernen, Teams erstellen Produktversionen mit Minimalanforderungen (MVP) um Funktionalität & UX so früh wie möglich mit echten Kunden zu testen und für die Verbesserung zu lernen
  • MESSBARE ERGEBNISSE statt Funktionen produzieren
  • LIZENZ ZUM SCHEITERN Die erfolgreiche Produktentwicklung lebt von Misserfolgen, denn nur so kann man lernen zu besseren Ergebnissen zu gelangen. Das Team braucht eine sichere Umgebung zum Experimentieren, um seine Kreativität entfalten zu können. Keiner im Team darf sich schämen ausgefallene Ideen zu präsentieren. Denn wer keine Angst hat gefeuert zu werden oder sich lächerlich zu machen, riskiert ausgefallene Ideen, die schon oft zu den größten Erfolgen geführt haben.
    Video: Warum du scheitern musst! englisches Video von Derek Sivers
  • RAUS AUF DIE STRASSE  Konferenzraum-Debatten über Nutzerbedürfnisse können nicht überzeugend in der Agentur geklärt werden. Die Antworten liegen draußen im Markt. Junge vielversprechende Ideen sollen sofort mit einem einfachen Prototyp am Kunden getestet werden, um Fehlentwicklungen vorzubeugen

SCHLUSSWORT VON STEVE JOBS
Apple ist ein unglaublich kollaboratives Unternehmen …

 

UX-LITERATUR EMPFEHLUNGEN

Der Blog-Beitrag sollte einen ersten tiefen Einblick in das Thema UX geben. Wer tiefer in die Materie eindringen möchte, dem empfehle ich zwei Bücher. Lean-UX und UX-Design für Tablets. Während Lean-UX auf die Methoden der Praxis fokussiert, geht UX-Design für Tablets stark auf Aspekte der Gestaltung ein. Beide Bücher ergänzen sich hervorragend.

LEAN-UX-Jeff-Gothelf-with-Josh-SeidenLEAN UX – Applying Lean Principles to Improve User Experience
von Jeff Gothelf with Josh Seiden, in englischer Sprache. Das Buch hat einen angenehmen Umfang von 130 Seiten, ist aber vollgepackt mit Praxis-Wissen von den Pionieren des LEAN UX. Es schildert Prinzipien und den gesamten Prozess der Anwendung von Lean UX: Angefangen bei Vision, Framing und Ergebnisse, kollaborativen Design-Techniken, MVPs und Experimente, Integrationstechniken von Lean UX und agile Methoden bis hin zu Hilfestellungen zu der großen Frage:”Wie wende ich diese Methoden in meinem Unternehmen an?”. Wer Lean-UX in sein Unternehmen bringen möchte, sollte für JEDEN Mitarbeiter ein Exemplar bestellen.

 

UX-Design-fuer-Tablets-Christian-KuhnUX DESIGN FÜR TABELETS – Eine Anleitung für User Experience, Design und Webentwicklung von Christian Kuhn
Das deutschsprachige Buch behandelt das Thema sehr anschaulich mit vielen Beispielen. Hier wird besonders auf die mobile Anwendungssituation von Tablet-Usern und Design-Anforderungen eingegangen, weil schon heute immer öfter mobil als am PC eingekauft wird.  Man erhält motivierende Denkanstöße und Anleitungen für die Praxis mit Checklisten und Werkzeugen. Besonders positiv fällt auch die Vielfalt zu Hintergrundinformationen und Themen auf, die die User Experience beeinflussen.

TOOLS FÜR LEAN UX DESIGN

Prototyping-Tools

Balsamiq - gilt als eins der einfachsten aber auch als eins der intuitivsten Wireframing Tools überhaupt.

OmniGraffle (nur für Mac) – hat seine Stärken in der Diagrammerstellung und nicht in der Simulation von Workflow und Interaktion. Es gibt auch eine Version für das iPad mit sehr hoher Funktionalität. Also auch absolut empfehlenswert.

Für PC-User gibt es Microsoft Visio, den Großvater der Wireframing-Tools, wo auch Screens interaktiv verknüpft werden können. Es gilt aber nicht als so intuitiv wie die zuvor genannten Tools und man braucht wohl etwas länger, bis man zu Ergebnissen kommt.

Axure RP – ermöglichst das Erstellen realistischer Website-Prototypen mit Formular-Funktionalitäten und allem, was man zur Website-Simulation braucht. Dieses Tool ist für Prototypen mit hoher Design-Qualität und Realitätstreue gedacht.

Die hier aufgeführten Tools sind nur eine kleine Auswahl, der auf dem Markt befindlichen Tools, sind aber sicherlich sehr empfehlenswert.

Digitale Analytik: Google Analytics Webanalyse

Das kostenlose Web-Analysetool von Google bietet die Möglichkeit Website-Benutzerdaten zu erheben und auszuwerten, mit dem Ziel die User Experience von Webseiten kontinuierlich zu verbessern.

Avinash Kaushik, Digital Evangelist definiert Digitale Analytik wie folgt (übersetzt aus dem Englischen):

“Digitale Analytik ist die Analyse qualitativer und quantitativer Daten Ihres Geschäfts und Ihres Wettbewerbs zur kontinuierlichen Verbesserung des Online-Nutzererlebnisses, das Ihre Kunden und potentielle Kunden haben, das zu den gewünschten Ergebnissen führt (online und offline).”

Analysieren Sie die ausschlaggebenden Leistungskennzahlen (KPI’s),
passend zu Ihrem Online-Geschäftsmodell

Ein Online-Shop und eine Support-Seite verfolgen beispielsweise unterschiedliche Ziele, daher sind bei der Analyse auch unterschiedliche Leistungskennzahlen (KPI’s – Key Performance Indicators), die zu einem gewünschten Ergebnis führen sollen wichtig. Google Analytics bedient 5 Geschäftsmodelle mit typischen Zielsetzungen:

  1. Content Publisher wollen ihre User zum regelmäßigen Besuch motivieren
  2. Branding – hat die Steigerung des Markeninteresses und die Erhöhung der Markenbekanntheit zum Ziel. Branding-Websites haben zum Ziel, a) die Interaktion mit dem Unternehmen zu fördern, b) mehr positive Markenassoziationen zu schaffen, c) durch den Kontakt mit der Zielgruppe die Markentreue zu stärken und d) den Kunden anzuregen, sich für die Marke und die damit verbundenen Produkte zu interessieren.
  3. Information & Support Seiten haben zum Ziel gewünschte Information schnell bereitzustellen
  4. Lead Generation verfolgt das Ausfüllen und Absenden von Kontaktformularen
  5. Ecommerce Sites zielen auf den Abschluss von Online-Verkäufen ab

Profisoftware für UX-Optimierung

m-pathy bietet Software für High-End Aufnahme und Analysesystem für Interaktionsdaten, UX-Analysen von Smartphone- und Tablet-Nutzern, Qualitätsmanagement von Web-Prozessen auf Interaktions-Level

clicktale bietet Software für Heatmaps, Usability und Webanalyse.

 

WEB-LINKS ZUM THEMA USER EXPERIENCE

http://2013.iakonferenz.org/ia_konferenz_2013

http://uxdesign.smashingmagazine.com/

http://www.uxbooth.com/

http://usability.com/

 

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