Jorge Selarón Rios bekannter Fliesen-Künstler ist tot

Künstler Jorge Selarón tot auf Treppe
in Rio de Janeiro gefunden

Jorge Selaron Rio de JaneiroSo lautete heute die Überschrift in einer der größten Tageszeitungen Brasiliens. Leider ist es ein sehr trauriger Anlass über den Keramik-Künstler Jorge Selarón aus Rio de Janeiro zu schreiben.
Der Chilene Selarón (er wurde 65 Jahre alt) hatte damals zum Anlass der Fußball-Weltmeisterschaft 1994 (USA) eine Treppe im Stadtteil Santa Teresa mit Hunderten von Fliesen aus ca. 60 Ländern zu einem bunten Kunstwerk gestaltet. Viele werden die Treppe mit dem Stadtteil Lapa, dem beliebten Ausgehviertel Rio’s in Verbindung bringen, da sie direkt an der Grenze zu Santa Teresa liegt.

Die “Selarón-Treppe” (Escadaria Selarón) wurde zu seinem bekanntesten Werk und eine eigenständige Sehenswürdigkeit Rio de Janeiros und diente damit unzähligen Touristen als beliebtes Foto-Motiv.  Der US-Rapper Snoop Dogg setzte die bunte Treppe in seinem Musik-Video “Beautiful” im Jahr 2003 in Szene.

Todesursache

Die Todesursache steht zum Zeitpunkt noch nicht genau fest. Die Leiche des chilenischen Keramik-Künstlers und Malers, der bereits seit 30 Jahren in Rio lebte war teilweise verkohlt und es wird auf Mord oder aber auch Selbstmord spekuliert. Zum einen wird vermutet, dass sich Jorge Selarón aufgrund von Depressionen das Leben nahm, doch wurde in einem Interview, welches ein Tag vor seinem Tod veröffentlicht wurde von Morddrohungen berichtet. Ein früherer Mitarbeiter dessen Bruder den Drogenhandel in der Gegend kontrolliert habe zwei Mal Selarón gedroht ihn zu ermorden, wenn er ihm nicht alle! Gewinne aus seinen verkauften Bildern überlasse.

Bisher unveröffentlichtes Video über die Treppe von Jorge Selarón

Treppe Escadaria Selaron Rio de JaneiroAuf einer Tour durch die Alt-Stadt Lapas habe ich Jorge  Selarón einmal selbst kennen lernen dürfen. Er lebte in seinem Haus und Künstlerwerkstatt direkt an der bunten Treppe und hielt sich daher auch oft in der Nähe auf. So war es also kein großer Zufall ihn dort anzutreffen und mit ihm über seine “Escadaria Selarón” sprechen zu können. Der erste Teil des Gesprächs liegt leider nur als Audio-Version vor.
In dem Video erzählt daher sehr locker und frei von der Leber weg. Es wird sicherlich einen sehr persönlichen Eindruck des Künstlers vermitteln. Wer die Mischung aus Spanisch und Portugiesisch gut versteht kann gerne den Originaltext und die Übersetzung zur Veröffentlichung schicken, da ich hierzu leider leider nie gekommen bin. Nun ist es dieser traurige Anlass, der mich dazu brachte das Video kurzfristig online zu stellen.

 

Share and Enjoy

  • Facebook
  • Twitter
  • Delicious
  • LinkedIn
  • StumbleUpon
  • Add to favorites
  • Email
  • RSS

2 Gedanken zu „Jorge Selarón Rios bekannter Fliesen-Künstler ist tot

  1. Klaus D. Günther

    Das finde ich sehr traurig – habe den Mann auch persönlich gekannt – glaube bestimmt, dass es Mord war,
    denn erstens war er eine lebensbejahende Person, und zweitens verbrennt man sich nicht selbst. Ich habe
    es nicht bereut, wieder in meine alte Heimat zurückgekehrt zu sein, weil die brasilianischen Grossstädte immer unsicherer werden.

    Antworten
  2. MaRio

    Über Jahre habe ich Selarón bei jedem Besuch Kacheln aus Europa mitgebracht, die er meist noch während meines Aufenthaltes in Rio an seiner Treppe montierte, damit ich es begutachten konnte. Als ich im Jahre 2013 im Land unterwegs war, bin ich leider einige Tage zu spät nach Rio gekommen, zum Zeitpunkt des Unglücks befand ich mich noch in der Nähe von Ilheus im Bundesstaat Bahia. Natürlich war ich nicht so eng mit ihm befreundet, dass ich es beurteilen kann, durch einige Smalltalks alle Jahre wieder kann man nicht in die Psyche von jemanden blicken, aber auch ich glaube nicht an die Selbstmordversion, zumal er noch am frühen Morgen beim Bäcker war um Brot zu kaufen. Wer kauft schon Brot, wenn er so depressiv ist und sich umbringen möchte?
    Was mir dann zur WM im Jahre 2014 aufgefallen ist: nach seinem Tode ging der Respekt zu ihm und seinem Kunst-, ja Lebenswerk verloren! Mittlerweile ist der untere Teil der Treppe von fliegenden Händlern bevölkert, ein Bild, das man zu seinen Lebzeiten nicht kannte. Mich hat es sehr traurig gestimmt, denn ich habe die Escadaria Selarón zuvor immer als Ruhepol in der hektischen Großstadt empfunden.

    Antworten

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>